Segeltörn „Rund Mallorca“
29. Mai bis 05. Juni 2004
Am Samstag den 29. Juni war es soweit und es trafen sich einige unscheinbare Mitglieder des Skiclubs am Flughafen Köln-Bonn. Paul Banischewski hatte zum Segeltörn „Rund Mallorca“ seine Crew bereits Wochen vorher aufgestellt und entsprechende Vorbereitungen waren einhergegangen. Neben dem Skipper Paul Banischewski waren der Smutje Klaus Steinberg sowie die frisch geprüften Segler Beatrice und Dieter Maroldt und nicht zuletzt die Segel-Frischlinge Ebru und Peter Schoog angetreten.
Der Flug war schnell hinter uns gebracht, als die warme Sonne des Süden uns in Palma de Mallorca begrüßte und der Geschmack von Salzwasser bereits in der Luft lag. Diesem folgten wir bis zum königlichen Hafen von Palma, wo unser Charterboot (Name „Red Pepper“) bereits wartete.
Schnell waren die letzten Formalitäten erledigt und nach der Proviantaufnahme gab der Skipper das erste Kommando: Leinen los! Alle waren etwas aufgeregt, denn es lag eine wunderschöne Woche zu Wasser und zu Land vor uns. Die Nachmittagssonne begleitete uns durch den Hafen, während der Bug unserer 40 ft Yacht sich den Weg hindurch zwischen all den schönen anderen Luxus-Yachten bahnte. Den Hafen gerade hinter uns gelassen nahmen wir Kurs auf Sa Rapita, eine kleine Hafenstadt im Süden und bei leichtem Wind pflügte sich das Boot seinen Weg durch das Meer, entlang dem langen Strand von San Arenal. Zum ersten Mal wurden Grundnahrungsmittel auf dem Boot gereicht und jeder kam mit den Bierdosen gut zurecht. Paul zeigte noch, wie die Dosen platzminimierend entsorgt werden und so stand der Dezimierung unseres Vorrates nichts mehr im Wege. Vorbei an der interessanten Küste gelangten wir dann bald an unser erstes Ziel.
La Ràpita: Es war bereits gegen neun Uhr abends, als wir in dem schnuckeligen Hafen einen Platz zugewiesen bekamen und kurz nachdem wir das Boot festgemacht hatten, kam das nächste Kommando: Landgang! Man hatte uns bereits den Tipp gegeben, zum Restaurant Can Pep zu gehen und diesem folgten wir mit hungrigen Gedanken. Auf der Hauptstrasse ging unser Blick immer zwischen Meer und mallorkinischen Häusern hin und her und wir wussten nicht, welcher Anblick schöner war. Auf der Terrasse nahmen wir schnell den ersten Sangria zu uns und die Speisen der benachbarten Tische ließen uns das Wasser im Mund zusammenlaufen. Nach einigen Karaffen Sangria und fürstlichen Speisen fanden wir unseren wohlverdienten ersten Schlaf an Bord.
Acht-Neun-Zehn hieß die Regel von Skipper Paul und bedeutete die Reihenfolge: Aufstehen-Waschen-Auslaufen.
Es führte uns zum Naturschutzpark Cabrera. Eine malerische Insel lag plötzlich vor uns und ein Dutzend ankernder Boote belagerte friedlich die Bucht. Als Naturschutzpark und vereinsamtem Militärstützpunkt bot diese Bucht mit einer alten Festung einen schönen Ausblick auf moderne Bootsmasten, die wie Pfosten aus dem türkiesfarbenen Wasser ragten sowie auf historische Bauten, die die Geschichte erzählten. Auf unserem touristischen Rückzug vom Festungsausguck folgten wir dem Instinkt von Paul und Klaus und landeten zielsicher in der einzigen Bar der Bucht - zehn Runden vor dem Formel 1 Sieg Schumachers gegen Alonso. Nachdem die deutsch-spanische Freundschaft mit Brigardiero-Fernando besiegelt war, stapften wir durch die Hitze zurück zum Beiboot Nach einem erfischenden Bad und erfolgreicher Angelei von „Achtern“ hatte unser Smutje Klaus, schwup die wup, ein vorzügliches Abendmahl gezaubert, das allen den Gaumen kitzelte.
Nach Cala Ratjada, oder für echte Mallorca-Fans unter Kalla Rattata bekannt, zog es uns am dritten Tag in die nächste Hafenstadt. Dem schwachen Wind trotzend, schalteten wir den 40 PS Volvo-Wind ein und folgten unserer Route. Dieter, der ständig sämtliche Instrumente der Navigation prüfte und seine Kenntnisse auch mit mathematischer Simplizität a la Columbus einsetzte, führte uns sicher an der Küste vorbei. Im Hafen von Cala Ratjada schwärmte die Crew direkt aus, um neue Vorräte zu kaufen und das Essen vorzubereiten. Als wir gut gestärkt „auf die Piste“ gingen, wurden wir schnell vom bunten Treiben in der schönen Hafenstadt eingeladen und neben südländischen Reizen waren kölsche Tön und deutsches Bier die Wegbegleiter unserer Tour. Diskotheken, die sich erst gegen 2 Uhr füllen oder ambientvolle Terrassen wurden von Klaus und Paul stets zielsicher vom inneren Navigationssystem angepeilt.
Die langgezogene Bucht von Alcudia steuerte die Red Pepper am folgenden Tag an - vorbei an den zahlreichen Caps der Nord-Ost-Küste Mallorcas. Touristenzentren mit großen Hotels und kleine verschachtelte Villen von Einheimischen bzw. niedergelassenen Ausländern säumen diesen Küstenabschnitt und bieten dem Betrachter vom Meer aus einen entspannenden Anblick. Zahlreiche Golfanlagen weisen auch hier den Durchbruch populärer Sportarten inmitten balearischer Sommerlandschaft und Paul träumt zurückgelehnt von seinem Leben als Pensionär: Sauber eingeteilte Tagesabschnitte verteilt auf kulinarisches Essen, unterbrochen von Tauchen und Golfen, während die Sportausstattung auf seiner Segelyacht untergebracht ist, ... Das Leben kann doch so schön sein ... Alcudia war auf jeden Fall ein Höhepunkt unserer Reise. Ein wunderschöner Hafen, umgeben von einer langgezogenen Strandpromenade. Bei unserer Hafeneinfahrt hatte selbst Paul etwas Probleme die Anlegestelle wegen des vorherrschenden Seitenwindes sicher zu treffen, so dass uns der Hafenmeister helfen musste, unseren Bootskiel aus einer Muringleine zu befreien, bevor das Boot festgemacht werden konnte. Ebru verabschiedete sich flugs zum Shopping und kam natürlich mit neuen Schuhen zurück, während Dieter und Beatrice nach Ihrem Bummel mit einem guten Wein fürs Essen zurückkehrten. Peter, Paul und Klaus konnten hingegen der magischen Anziehungskraft des Trockendocks nicht wiederstehen und bestaunten die zu überholenden Yachten bzw. die detailgenaue Fingerfertigkeit, mit der die mallorkinischen Handwerker bei sengender Hitze die Bootseigner zufrieden stellten. Im Abendoutfit ließen wir uns dann von Live-Musik und Sangria vereinnahmen und die warme Sommernacht sorgte für beste Stimmung bei der Crew. Während Jung und Alt sich irgendwann an Bord zurückzogen, harrten Klaus und Paul bis zum frühen Morgen aus, um mit frischen Erzählungen das Frühstück zu bereichern.
Sòller hieß unser nächstes Ziel, wieder nur wenige Sonnenstunden auf Deck unserer Yacht entfernt. In einer malerischen Bucht, umgeben von grünen Bergketten, versteckt sich diese vom Fischfang geprägte Stadt. Genau diese Stärke griff unser Smutje Klaus auf, und wir folgten ihm, um die Zutaten unseres Fisch-Menüs auszuwählen. Die tolle Stimmung an Bord spiegelte sich in einem perfekten Team wieder, welches sich bei jeglichen Aufgaben ergänzte, wobei unserem Smutje eine herausragende Rolle zukam, die nicht nur von den Männern bestaunt, aber von allen Gourmets an Bord zu 100% gewürdigt wurde.
Die vorletzte Station hieß Port Andraitx und Dieter setzte nach Verlassen des Hafens wie gewohnt schnell die Segel und trimmte alle Leinen, um Knotenpunkt für Knotenpunkt die Geschwindigkeit auf Kurs zu setzen. Paul konzentrierte sich aufs Schleppangeln, während Peter und Ebru den Sonnenschutz Ihrer Creme testeten. Klaus kontrollierte das Geschehen unter Deck mit gleichmäßigen Atemübungen bei geschlossenen Augenliedern und Beatrice sorgte für unser geistiges Wohl, indem Sie uns mit Insiderinformationen Ihres Reiseführers die Lücken unseres Wissen zu schließen begann. Mit Zwischenstopps in schönen Badebuchten, Campari-Drinks und Canapes erreichten wir schließlich den Hafen von Andraitx, in dem unsere schöne Yacht eher eine untergeordnete Rolle spielte. Als wir die ausgezeichneten sanitären Anlagen des Hafens ausgiebig genutzt hatten, warteten wir nur noch auf drei Freunde von Ebru, die mit uns zum Abendessen verabredet waren. Ebru, mit Handy und Fernglas ausgestattet, lotste Ihre Freunde sicher im Yachthafen bis hin zur Red Pepper und sprang erfolgsbegeistert auf, als Sie die Freunde sah. Dabei hatte Sie nur vergessen, dass das Handy noch auf Ihrem Schoß lag und so katapultierte Sie selbiges mit einem Hüftschwung treffsicher zwischen Kaimauer und unserer Yacht. Nach einem kurzen „Platsch“, war nur noch betroffene Ruhe zu erkennen, die dann in fassungsloses Gelächter überging, weil das Geschehene eigentlich von Keinem geglaubt wurde. Während alle an der Reling standen, sprang Peter mit Taucherbrille und Flossen ins Wasser und beim dritten Versuch fand er das Objekt der Begierde ca. 9 Fuß unter der Wasseroberfläche. Das anschließende Abendessen auf der Terrasse mit Blick über den Hafen entschädigte für den erlittenen Verlust. Beeindruckend ebenfalls die architektonische Umsetzung von Wohnraumschaffung in zerklüfteter Felslandschaft. Nach unserem köstlichen Mahl zog es uns in eine Bar, aus der Klänge einer Live-Sängerin drangen und wir setzten uns neben einige Einheimische an einen kleinen Tisch, mit bestem Blick auf die Performance. Angelockt von den Latino-Klängen forderte ein hiesiger Fischer höflich unsere Frauen zum Tanzen auf und wir bestaunten die deutsch-spanische Darbietung. Wir verbündeten uns mit dem spanischen Fischer, dem deutschsprachigen Lebenskünstler aus Uruguay und dem irischen Schiffsmechaniker und es begann eine lustige Nacht bei Wein und Gesang.
Am Freitag liefen wir zum finalen Hafen Palma de Mallorca aus und hatten zum ersten Mal soviel Wind, dass die nautischen Fähigkeiten eher gefragt waren als Lichtschutzfaktor und Dosenbier. Wir boten uns kleine Rennen mit anderen Yachten und trafen schließlich im königlichen Hafen ein, wo unsere blaue Reise begann. Das Boot wurde formal übergeben und wir bereiteten den letzten Landgang vor. Wir speisten im hafennahen Fischlokal, direkt über der Fischhalle - frischer geht es nicht. Die Altstadt von Palma war dann das letzte Abenteuer unserer Woche und wir verabschiedeten uns am nächsten Morgen mit Sonnenaufgang von der Red Pepper und nahmen Kurs auf den Flughafen.
Es war eine tolle Woche und wir danken unserem Skipper Paul! Bis zum nächsten Törn! Ahoi!
Ebru und Peter Schoog
