Segeltörn vom 12. bis 18. September 2004
Alle Neune! - Im „Sausewind“ - Mallorca - Menorca und zurück
Schaut euch den ausführlichen, anschaulichen Bericht vom Segeltörn „Rund um Mallorca“ an, und jeder wird verstehen, dass es im September für neun Skiclubmitglieder wieder hieß: „Leinen los!“
Da das Ganze steht und fällt mit der Qualität von Skipper und Smutje, heißen diese natürlich wieder Paul und Klaus. Hinzu kommen Georg und Karin, die sich vor Jahren schon erfolgreich einer Segelprüfung unterzogen hat, sowie Anne, die gemeinsames Seeluftschnuppern von ihrem Detlef zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Herwig, der vorher als erfahrener Segler das Ijsselmeer mit seinen Tücken bewältigte, will nun einmal eine ruhige Fahrt unter heißer Sonne auf dem Mittelmeer erleben. Um die Neun voll zu machen, kommen noch hinzu Dieter und Beatrice, die ihre Segelkenntnisse wieder einmal praktisch anwenden sollen.
Verständlicherweisemuss es bei so einer starken Besatzung diesmal auch ein stärkeres Boot sein. Deshalb legen wir am 12.09. um 11.30 Uhr vom Jachthafen Palma „Marina Alburan“ mit einer 42-Fuß-Jacht, der "Sausewind", bei strahlendem Sonnenschein und unter vollen Segeln ab. Laut Eintragungen im Logbuch ist es ein vielversprechender Törnbeginn.
Neusegler Georg,Anne und Detlef dürfen bald erfahren, was bei schwacher bis mäßiger Brise (Windstärke 4 nach Beaufort) und leicht bewegter See eine Krängung bedeutet. Insbesondere dann, wenn der nördlich vorgesehene Kurs häufigeres Kreuzen, also zügige Wendemanöver abverlangt.
Anne, unsere Finanzministerin, staunt nicht schlecht, als sie nach dem Einlaufen im Hafen von La Rapita die Gebühr für eine Nacht hinblättern muss.
Amnächsten Tag geht es unter Motor volle Kraft voraus Richtung Cala Ratjada. Zwischendurch haben wir genug Muße, das Blau desWassers nicht nur vom Schiff aus zu bestaunen, sondern auch im freien Gewässer ausgiebig zu schwimmen, Sonne, Luft und Meer zu spüren und zu genießen. Der alltägliche Camparidrink und die von Klaus mit Liebe zubereiteten Appetithäppchen tun ihr Übriges unser Wohlfühlprogramm zu steigern. Zu spät wollen wir aber nicht im Hafen von Cala Ratjada anlegen, weil nicht nur Klaus, sondern auch die übrige Crew dort noch ein Date haben.
Mit Veronika, Hans, Rudi und Reinhold, unseren vier Skiclubfreunden, verbringen wir einen fröhlichen und genüsslichen Abend. Für diesen Treff hatten sie von ihrem Urlaubsort S'Arenal aus eine Serpentinenfahrt besonderer Art auf sich genommen.
Am Dienstag heißt es für Herwig am Steuerrad 40° Richtung Menorca. Ein etwas rauer Wind hält keinen der halbstündlich wechselnden Rudergänger vom Kurs ab. Die Insel ist in Sicht. Detlef, Georg und die meisten Damen lassen sich tapfer von der Sonne bescheinen, um den Bräunungsgrad weiter zu erhöhen, - mit Erfolg! Was gibt es Schöneres als anschließend ein kühles Bad! Also springen alle vor der Hafeneinfahrt ins kühle Nass einer benachbarten Bucht, die von mächtigen dunklen Felsen umgeben ist.
Nach dieser Erfrischung geht es zum Port de Cuitadella, der alten Hauptstadt Menorcas. Endlich finden wir einen Segler, der uns an sein Boot anlegen lässt, so genanntes Päckchenliegen. Ein Blick auf die Stadt, und wir können nicht schnell genug von Bord kommen, um durch die alten verwinkelten Gassen zu streifen. Bei unserem Stadtbummel kommen im sanften Licht der Abendsonne die pastellfarbenen Hausfassaden besonders gut zur Geltung. Rund um die wuchtige Kathedrale, die wegen Restaurierung leider nicht von innen zu besichtigen ist, gruppieren sich große Paläste und immer wieder kleine lauschige Plätze. Während wir die Eindrücke der Stadt bei einem Cappucino genießen, besorgen Klaus und Paul menorcinische Zutaten für ein opulentes Mahl, das wir am Abend mit vielen „Hmmm...“ und „Lecker“ genießen.
Ob wir wollen oder nicht, am nächsten Morgen müssen wir nach der Ausfahrt einer Riesenfähre wieder zurück gen Mallorca. Dieser Tag ist für die ganze Besatzung ein Erlebnis, das niemand missen möchte. Dieter ist der Rudergänger. Der Wind nimmt immer mehr zu. Starker Seegang, bis zu drei Meter hohe Wellen und heftige Gewitter um und über uns zwingen uns dazu, die Lifebelts anzuziehen und uns anzupicken. Paul löst Dieter ab, der sich endlich - nach Hagelschlägen in die Kniekehlen und nass bis auf die Haut - trotz der anhaltenden Gewitterstürme in der Kajüte umziehen muss. Die andauernden Blitze betrachten alle als ein einmaliges Naturereignis. Nur einer schläft seelenruhig trotz des gewaltigen Schauspiels, unser Smutje Klaus. Ohne Sicht, nur mit Hilfe von GPS, bringt uns Skipper Paul sicher auf einen Kurs entlang der Küste Mallorcas.
Nach zwei Stunden ist der Spuk vorbei. Die Sonne kommt wieder und wir landen alle glücklich im Naturhafen von Porto Christo, einer Stadt mit sehenswerter Promenade. Zur Feier dieses beeindruckenden Tages verwöhnt uns Klaus wieder mit einem tollen Menü.
Unter vollem Segel gleitet unser Boot am nächsten Tag im Sausewind über die glatte tiefblaue See, und die Sonnenliegen sind auch wieder abwechselnd besetzt. An der Muringleine im Hafen von S'Estanyol manchen wir fest. Nach dem gemeinsamen Abend im Clubhaus des ansonsten trostlosen Ortes sind alle begeistert, dass wir diesen unbedeutenden Platz angelaufen haben. Wir treffen auf eine Gruppe junger Segler und Seglerinnen, die sich köstlich mit uns, der älteren Generation, amüsieren und kräftig mit uns lachen. Das haben wir vor allem Georgs erfrischendem, rheinisch trockenen Humor zu verdanken. Einige dieser Gruppe statten später dem Sausewind noch einen nächtlichen Besuch ab, wo es feucht-fröhlich weiter geht.
Nach dem Lösen der Muring segeln wir am nächsten Morgen nach Palma. Aber halt! - Auf diesem Weg muss unser Schiff den langen Strand von S'Arenal passieren. Beatrice und Dieter wissen nicht, was sich hinter dem Begriff „Ballermann“ verbirgt. Diese Bildungslücke muss unbedingt geschlossen werden. Außerdem ist das Dingi noch nicht zum Einsatz gekommen. Also ankert Skipper Paul etwas vom Strand entfernt und bringt Karin und Georg sowie Dieter Herwig und Beatrice mit dem kleinen Beiboot zum Getümmel. Anni und Detlef schwimmen tapfer mit den Wellen zum Ziel. Klaus bleibt an Bord.
Nachdem wir alle Sangria, eine schmissige Musik und aufgrund der Uhrzeit eine noch gepflegte Atmosphäre genossen haben, holt Paul uns wieder ab. Das sind lustige Rückfahrten. Denn diesmal schippert unser Skipper die sieben Besatzungsmitglieder in zwei Fuhren wieder zum Boot. Bildlich vorstellen kann sich das nur jemand, der weiß, wie groß oder vielmehr klein ein Dingi ist!
Von dort ist es nicht mehr weit bis Palma. Einerseits ist es ein schöner Anblick, sich einer der größten Kirchen des Abendlandes, der gotischen Kathedrale von Palma zu nähern. Anderseits ist es für die Besatzung der „Sausewind“ das Zeichen, dass ein fantastischer, vielseitiger und erholsamer Segeltörn sich dem Ende nähert. Der Bummel durch die Altstadt bei Laternenschein und Sternenhimmel und das legendäre Fischessen direkt über der Fischhalle bilden wieder einen tollen Abschluss.
Beatrice Maroldt von Detten
