Reisebericht Segeltörn Türkische Südküste
03. - 10. September 2005
In der Zeit vom 03.-10.09.2005 hatte ich das Vergnügen unter der hervorragenden Leitung des Skippers Paul Banischewski sowie seiner fachlichen Assistenten, dem Ehepaar Beatrix und Dieter Maroldt eine Woche auf Segeltörn an der türkischen Südküste zu verbringen.
Nachdem wir uns am Samstag, dem 03.09.2005, alle pünktlich um 12.30 Uhr im Düsseldorfer Flughafen getroffen hatten, startete die Condor-Maschine mit halbstündiger Verspätung ihren Flug nach Dalaman in der Türkei. Vor dem Abflug hatte sich die gesamte Crew nochmals mit den lebensnotwendigen Spirituosen in Form von Campari eingedeckt. Der Flug selber war ruhig. Traumhaft war der Anblick der türkischen Küste beim Anflug auf Dalaman. Der Anblick des türkisen Wassers erweckte in einem direkt Urlaubsassoziationen.
Nachdem wir aufgrund der türkischen Zeitverschiebung gegen 20.00 Uhr in Dalaman gelandet waren, holte uns ein Gemeinschaftstaxi am Flughafen ab und brachte uns nach Marmaris. Marmaris ist das „Klein-Mallorca“ an der Südküste.
Im Hafen erwartete uns schon „unser Zuhause“ für die nächste Woche, nämlich das einmastige Segelschiff „Sweetydear“. Nachdem wir unser Gepäck in den „großen Luxussuiten“ des Schiffes untergebracht hatten, konnten wir uns „frisch machen“ in den hervorragend ausgestatteten Sanitäranlagen des Hafens. Unser erstes gemeinsames Abendessen haben wir dann auch anschließend im Hafen zu uns genommen. Besonders empfohlen wurde uns türkisches Lammfleisch. Das Fleisch war so zart, dass es sich exzellent von den Knochen gelöst hatte. Ein leckerer Nachtisch durfte nicht fehlen.
Nachdem wir uns mächtig gestärkt hatten, sind wir in den Hafenbereich und in die Altstadt des Ortes Marmaris vorgedrungen und haben bis in die frühen Morgenstunden das Nachtleben von Marmaris genossen. Aufgrund des Lärmpegels konnten wir uns zwar nicht sehr gut unterhalten aber hierfür blieb ja in den nächsten Tagen noch genügend Zeit. Die Disco-Rhythmen entschädigten uns für die fehlenden Unterhaltungsmöglichkeiten. Beeindruckend war, dass in der Altstadt von Marmaris sich die Discos auf mehrere 100 Meter aneinander gereiht haben. Die türkischen und westlichen Discoklänge vermengten sich wie wild untereinander.
Am nächsten Tag, dem Sonntag, haben wir erst einmal ausgiebig gefrühstückt. Anschließend den „Schlachtplan“ für den kommenden Tag miteinander diskutiert. Anschließend sind Beatrix und ich die restlichen notwendigen Dinge einkaufen gegangen. Nachdem Paul und Dieter das Schiff vom Vercharterer übernommen hatten sind wir gegen 13.00 Uhr aus dem Hafen in Marmaris ausgelaufen und in „hohe See“ gestochen. Für einen wie mich, der erstmals solch einen Segeltörn erlebte, war es beeindruckend vom Meer aus die Hafenbucht von Marmaris mit seinen angrenzenden Gebirgen zu bewundern. Nachdem wir mit Hilfe des Motors das Hafenbecken verlassen hatten wurden auch sehr schnell erstmals die Segel gesetzt. Paul und Dieter - unter fachmännischer Unterstützung von Beatrix - setzten die ersten Segelmanöver souverän, so dass auch die erste Meerenge mit seinen schroffen Felsen links und rechts genommen werden konnte. Nachdem wir auch diese Meerenge verlassen hatten steuerten wir auf die hohe See zu. Paul und Dieter erklärten mir die wichtigsten Grundbegriffe beim Segeln. Erstmals durfte ich auch das Ruder übernehmen. Im Laufe des Nachmittags segelten wir an der Küste entlang in Richtung Süden. Gegen Abend erreichten wir eine kleine Bucht in der wir erstmals vor Anker gingen. Erfrischend war es auch erstmals innerhalb der Bucht ins Wasser springen zu dürfen. Traumhaft war die Sicht unter Wasser da man bis zum Meeresboden sehen konnte. Paul kam so zu seinem geliebten „Schnorcheln“.
Nachdem wir nach dem Schwimmen wieder an Bord waren kreuzte uns ein einheimisches Fischerboot. Beatrix übernahm sofort die Initiative und sprach den Fischer „mit Händen und Füßen“ an und bat um den Verkauf seines kurz zuvor gefangenen Fisches. Wie der Fisch hieß konnten wir leider nicht erfahren. Der Preis wurde ausgehandelt durch zeigen von entsprechenden Euronoten. Welcher Art der Fisch war konnten wir leider nicht erfahren, aber durch die fachmännische Zubereitung des Fisches durch Beatrix war dies auch egal, er schmeckte nämlich ganz hervorragend. Anschließend haben wir gemeinsam auf dem Boot gegessen und geklönt. Als Absacker haben wir wie jeden Abend entweder ein leckeres Bier oder einen erfrischenden Campari zu uns genommen.
Noch vergessen habe ich zu erwähnen, dass wir selbstverständlich - leider verspätet - gegen 14.00 Uhr zuvor beim Auslaufen aus der Bucht von Marmaris uns auf die gemeinsame Segeltour eingestimmt haben durch das Zuprosten mit einem leckeren Campari.
Nach der ersten absolut ruhigen Nacht auf dem Mittelmeer sind wir Montagmorgen erstmal schwimmen gegangen und konnten beim anschließenden Frühstück die aufgehende Sonne über der Skyline des Meeres einschließlich der kargen Berge bewundern. Nachdem wir wieder klar Schiff gemacht hatten, haben wir Kurs genommen auf Rhodos. Anfänglich konnten wir noch Segel setzen und mit ca. 2-3 Knoten unsere Fahrt nach Rhodos zu fortsetzen. Zwischendurch ereilte uns leider eine Flaute so dass wir den Motor anschalten mussten. Aufgrund der ruhigen Fahrt konnten auch Anfänger wie ich einmal das Steuer übernehmen so dass sich die anderen der Sonne aussetzen konnten.
Nach ruhiger Fahrt erreichten wir gegen Mittag den Hafen von Rhodos. Nach ein paar kleineren Problemen beim „Einparken“ an den Hafensteg (wegen der Enge), konnte unser Schiff festgemacht werden.
Wir hatten uns vorgenommen den Zentrumsbereich der Altstadt von Rhodos in Augenschein zu nehmen. Am folgenden Nachmittag durchstreiften wir die Altstadt und bewunderten deren Bauwerke, die aus verschiedenen Zeitepochen stammten.
Nachdem wir für den nächsten Tag eingekauft hatten, dinierten wir abends in einem mehrstöckigen Restaurant hoch über der Altstadt von Rhodos. Bei der Auswahl der Menüs standen die türkischen Spezialitäten im Vordergrund. Bei der Rückkehr in den Hafen stießen wir zufällig in einem Außenrestaurant auf eine Folkloregruppe, die uns griechische Klänge bis hin zum Sirtaki zu Ohren kommen ließen. Die einheimischen Griechen boten uns dazu auch einheimische Tänze. Aufgrund des angenehmen Umfeldes nahmen wir auch unseren täglichen Absacker in dieser heimischen Atmosphäre.
Nachdem wir am nächsten Tag, dem Dienstag, gemütlich gemeinsam gefrühstückt hatten, nahmen wir Kurs wieder in nördöstlicher Richtung in die Buchten von Fethiye bzw. Göcek. Aufgrund der relativ ruhigen See konnten wir zügig mit mal 2-3 Knoten aber auch ab und zu mit 4 Knoten unsere Fahrt in nördöstlicher Richtung fortsetzen. Bei ruhiger Fahrt machten wir einige Wendemanöver um im Laufe des späten Nachmittags des Dienstag in einer kleinen Bucht in der Nähe von Fethiye vor Anker zu gehen. In dieser kleinen Bucht lagen mehrere Segelyachten. Scheinbar hatte das hervorragende Restaurant in dieser Bucht einige Segler - wie uns - angelockt. Nachdem wir schwimmen gegangen waren und uns erfrischten genossen wir die hervorragende Küche in diesem Restaurant.
Am anderen Morgen, dem Mittwoch, sahen wir uns aufgrund des hervorragenden Essens der letzten Tage genötigt uns etwas zu bewegen. Aus diesem Grunde beschlossen Dieter, Beatrix und ich einen kurzen Jogginglauf aus unserer Bucht entlang der felsigen Küste bis hin in ein kleines Fischerdorf. Nachdem wir „schweißgebadet“ zurückgekommen waren hatte Paul dankenswerter Weise für ein hervorragendes Frühstück gesorgt. Am gleichen Tag haben wir einen Ausflug unternommen in die nahe gelegene Bucht von Dalyan. Mit einem Ausflugsboot wurden wir entlang der Küste zuerst an den vor der See gelegenen Strand von Dalyan gebracht. An diesem Strand sollen sich zu bestimmten Tageszeiten sehr viele Schildkröten aufhalten. Leider nicht mehr zu der Zeit wo wir den Strand besuchten im September. Nachdem wir uns am Strand der Sonne ausgesetzt hatten, wurden wir anschließend durch ein Sumpfgebiet in eine nahe gelegene alte römische Festungsstadt Kaunos gebracht. Wir erklommen gemeinsam - schweißtreibend - den höchsten Gipfel der Region und hatten hier einen herrlichen Blick über die gesamte Bucht von Dalyan. Alleine dieser Anblick entschädigte uns für die zuvor eingegangenen Mühen. Anschließend brachte uns das Ausflugsboot weiter in den Ort Dalyan. Hier stellte sich heraus, dass dies ein typischer Fremdenverkehrsort an der türkischen Küste war. Auf dem Schiffsweg dorthin bestaunten wir die faszinierenden Felsengräber. Hier besuchten wir den Stadtkern des Ortes mit seiner Moschee. Nachdem wir vergeblich ein Eiscafe gesucht hatten fuhren wir anschließend mit dem Ausflugsboot wieder zurück in die kleine Bucht in der unser Segelboot lag. Von hier aus nahmen wir sofort Fahrt auf und fuhren wieder unter Setzen der Segel auf das offene Meer. Erstmals wurden hier auch Windstärken erreicht, die es erlaubten, bis zu 4-5 Knoten schnell zu segeln. Hier konnte ich auch erstmals feststellen, dass es Situationen geben kann, in denen man nicht nur einfach das Steuer hält, sondern dass man unter Aufbringung erheblicher Kraft das Ruder halten muss damit das Boot in der Spur bleibt. Die Gewalten von Wind und Wasser wurden auch für mich erstmals richtig deutlich. Nach mehreren Wenden und Halsen steuerten wir abends dann in der Nähe des Strandes von Dalyan eine einsame gelegene Kleininsel an. Hier haben wir übernachtet am Holzsteg dieser kleinen Insel. Abends konnten Dieter und ich noch den Leuchtturm auf dieser Kleininsel bewundern.
Nach unserem üblichen Bad am frühen Morgen im Meer verließen wir Dalyan am Donnerstagmorgen und schipperten in Richtung Fethiye. Die Fahrt war abwechselnd begleitet von sehr ruhigen Windphasen und von einigen größeren Windböen. Mit mehr oder weniger guter Fahrt erreichten wir abends die Kleinstadt Fethiye. Da es sich hier um einen größeren Hafenumbau handelte,der in den Plänen noch nicht ausgewiesen war, hatten wir etwas Schwierigkeiten unsere richtige Anlegestelle zu finden. Aber durch die hervorragenden Nautikkenntnisse von Paul und Dieter war uns das schließlich doch noch gelungen. Abends an Bord konnte Beatrix mit Unterstützung von Dieter wieder ihre hervorragenden Kochkünste unter Beweis stellen. Leckerer Salat wechselte sich ab mit einem hervorragenden Reis/Fleischgericht.
Abends haben wir uns gemeinsam die Altstadt von Fethiye angesehen. Auch hier war beeindruckend, wie sich alte türkische Kulturen mit westlichen Gerüchen, Klängen und Menschen abwechselte. Die Geschäfte der Altstadt waren geprägt von Schmuckläden, Telekommunikationsgeschäften bzw. Restaurants. In einer typischen dunklen türkischen Nebengasse konnten wir zufällig scheinbar einer türkischen Familienfeier beiwohnen. Auffallend war, dass sämtliche Damen nur einen Sitzplatz gefunden haben und sämtliche Herren drum herum standen. Nur die Damen tanzten unter sich. Die Männer standen scheinbar tatenlos drum herum. Nachdem wir unser allabendliches Eis zu uns genommen hatten, genossen wir den restlichen Abend auf unserem Schiff.
Leider war des Freitags schon unser letzter Tag auf dem Schiff angebrochen. Nach ausgiebigem Frühstück verließen wir den Hafen von Fethiye in Richtung auf das offene Meer. Erstmals konnten wir heute Windbedingungen vorfinden, die das Seglerherz höher schlagen ließen. Abwechselnd konnten Beatrix und ich das Ruder übernehmen. Dieter und Paul waren ständig damit befasst andere Segelrichtungen vorzugeben. Mittags steuerten wir wieder eine kleine Bucht an in der wir ausgiebig nochmals das Mittelmeer genießen konnten und unsere Essensreste des Vortages aufbrauchten. Anschließend ging es in schneller Fahrt unter voller Ausnutzung des Windes in Richtung Göcek. Hier erreichten wir gegen 17.00 Uhr den Hafen. Am Abend genossen wir die hervorragende türkische Küche in einem örtlichen Restaurant.
Nachdem wir anschließend unsere Siebensachen gepackt hatten verbrachten wir den restlichen Abend auf unserem Schiff. Mit den meist deutschen Segelnachbarn konnten wir einige Worte wechseln. Zum Schluss des Abends haben wir dann nochmals auf die hervorragende Woche gemeinsam angestoßen. Der Dank ging an Paul für seine hervorragende fachliche Führung auf dem Segelschiff. Des Weiteren konnte ich mich bei Beatrix und Dieter für die Unterstützung und das Dulden meinerseits als Laie auf dem Schiff bedanken.
Am frühen Morgen des Samstags verließen Beatrix und Dieter mit mir zusammen den Hafen und wir fuhren in einer kurzen Taxifahrt zum Flughafen von Dalaman. Nach ruhigem Flug landeten wir hier in Düsseldorf um die Mittagszeit.
Paul blieb an Bord und erwartete die nächste Crew zu einem weiteren Wochentörn in Richtung Marmaris.
Peter Servos
