Segeln mit Lustgewinn. Von Sizilien (Trapani) nach Malta.
27. Mai - 03. Juni 2006
10 Jahre lang hast Du nicht mehr gesegelt. Und dann schenkt Dir die beste aller Traumfrauen einen Törn von Sizilien nach Malta. Ende Mai! Whoopidooo!
Wir treffen uns in Palermo. In der Altstadt. Paul (unser Skipper, Freund des Lustsegelns), Karl Heinz (lebte viele Jahre auf eigenem Boot), seine liebe Frau Helga (das ausgleichende Wesen für alle Lebenslagen), Alfredo (Touristikgenie und Helfer für bedrohte Lebensgemeinschaften in Afghanistan) und ich (Segelfan). Dank Alfredos Instinkt für supergute Locations (gelobt sei seine Altstadt-Spürnase) erleben wir zwei wundervolle Tage in der Mafia-Stadt Palermo.
Und dann legen wir ab. Madame Bovary heißt die Yacht, und die ist für einige Überraschungen gut. Sie schwimmt zwar, aber in der Bilge sammelt sich öliges Wasser. Oh, ohh! Trotzdem meistert sie grandios den wunderbaren Schlag von Sizilien nach Malta. Im Dunkel der Nacht legen wir ab. Und segeln in die Morgenröte. Kein Land mehr in Sicht. Nur Wellen ohne Ende. Keinen altbekannten Halt mehr haben. Nur Du selbst, Deine Leute, das Boot und das Meer.
Meditation pur. Das ist es, was das Segeln so außergewöhnlich macht: Sobald das Boot ablegt, lässt Du an Land alle Sorgen, Termine und Pflichten zurück. Du bist frei mit einem Schlag. Frei im Kopf für neue Gedanken und Eindrücke. Dazu das Gefühl, eins zu sein mit der Natur. Angetrieben allein vom Wind zu gleiten durch endlose Wellentäler und über unzählige Wellenberge. Der Wind frischt auf. Gischt spritzt über den Bug. Das Boot liegt schräg. Wir segeln hart am Wind. Rauschefahrt.
So macht Segeln Spaß. Mit einem Team, das sich versteht, trotz aller Verschiedenheit der Personen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Gerade in der Enge des Bootes, wo es kein Ausweichen gibt, kann es gehörig knallen. Glück gehabt. Interessante Leute, die nicht nur gerne Segeln, Kochen, Trinken und Singen (!), sondern sogar beim Segeln einen kernigen Skat dreschen können.
Am späten Nachmittag tauchen die Schemen von Malta auf. Und damit kann sich auch unser Skipper endlich mal von seinen Kartentisch unter Deck lösen. Wie lange ist es her, dass wir unseren 11 Uhr-Campari-Orange-Drink genommen haben? Wir genehmigen uns gerne einen auch nach 11 Uhr. Nach dem Motto: Immer eine halbe Handbreit Campari unter dem Kiel! Oder besser im Glas!
Jürgen Orthaus, im Sommer 2006

