Segeln bei den Lofoten
Juni 2007
Von weitem sieht die Lofotenwand wie eine unheimliche Masse ohne Einschnitte mit von Gletschern gemeißelten Granitgipfeln aus. Doch wenn man näher kommt, wird einem klar, warum die Lofoten als Ort unglaublicher, intimer Schönheit gelten – als Seele des nördlichen Norwegens. Kein Photo kann den Reiz dieser Landschaft auch nur annähernd wiedergeben. Das hatte uns gereizt, in dieser Region nördlich des Polarkreises, im Europäischen Nordmeer zur Zeit der Mitternachtssonne die Lofoten vom Segelboot aus zu erkunden.
Paul Banischewski, unser Skipper, hatte die Yacht gechartert und die Skiclubmitglieder Peter Servos, Beatrice und Dieter Maroldt und Heidrun und Horst Gebauer für die Fahrt begeistert. Drei Tage und drei Flüge brauchten wir um in diese ferne Region zu kommen und am 23.06.2007 konnten wir in Henningsvaer das Boot übernehmen, eine Bavaria 37.
Am nächsten Tag starteten wir dann in südlicher Richtung nach Stamsund. Nach einem von Beatrice und Heidrun zubereiteten leckeren Essen und einer Übernachtung im Hafen ging es am nächsten Morgen bei gutem Wind Richtung Reine, dem südlichsten Punkt unseres Törns. Unterwegs, im Nusfjord, warfen wir die Angel aus, da wir noch Proviant für den Abend brauchten. Und prompt bissen ein 80 cm großer Kabeljau und ein kleinerer Fisch an, womit das Abendessen gerettet war. Da der Tag, wie die meisten sonnig und warm war, gingen einige von uns von Bord um zu schwimmen. Die Abkühlung war bei dem 12 Grad „warmen“ Wasser schnell erreicht. Reine, unser Ziel, war ein schöner kleiner Fischerort, umgeben von hohen mit Schnee bedeckten Bergen.
Am nächsten Tag starteten wir Richtung Norden. Die längste Tagesetappe stand uns bevor, nach Svolvaer, der Hauptstadt der Lofoten. Dann, am 27.06., sollte der Höhepunkt der Reise folgen, die Fahrt durch eine Meerenge, den Raftsund, der die Inseln Austvagoy und Hinnoya von einander trennt, zum Trollfjord. Es war besonders beeindruckend, von dem kleinen Boot aus die hoch aufragenden fast senkrechten Felswände zu sehen, von denen Wasserfälle herabstürzten, die von den Schneeflächen und Gletschern der teils über 1000 m hohen Berge gespeist wurden.
Leider hatten wir hier kein Angelglück da einer der bösen Trolls unseren Angelhaken am Meeresgrund verhakt hatte. Nach diesem Abenteuer steuerten wir Melbu auf Hadsel an, was schon zu der Inselgruppe der Vesteralen gehört. Der Anlegesteg hatte eine besondere Attraktion zu bieten, der Steg war nämlich abgeschlossen, so dass keiner in den Ort entschwinden konnte. Wir verbrachten auf diese Weise wieder einen gemütlichen Abend alle zusammen auf unserem Segelboot.
Am nächsten Tag segelten wir dann über das Nordmeer durch den Gimsöstrommen, einem Sund, nach Hennigsvaer, dem Ausgangspunkt unserer Reise. Abends gingen wir wieder in das schicke Restaurant Fiskekrogen nicht weit von unserer Anlegestelle essen und tranken dazu Wein und Bier, da wir mittlerweile den Schock hinsichtlich des extremen norwegischen Preisniveaus – insbesondere bei alkoholischen Getränken – überwunden hatten. Und da wir unterwegs keinen Wal gesehen hatten, wollten einige von uns diesen wenigsten auf dem Teller bewundern.
Der 29.06. war unser letzter Segeltag. Alle Crewmitglieder mussten noch einmal ans Ruder, um die individuellen Segelkenntnisse zu vertiefen. Unser Tagesziel war Kabelvaag, ein besonders hübscher Lofotenort, dessen Hauptanziehungspunkt eine der größten Holzkirchen Norwegens ist, die Lofotenkatrdralen, wie das auf norwegisch heißt. Nachmittags ging es dann zurück nach Hennigsvaer, da wir das Boot übergeben mussten. Während des Törns haben wir eine Gesamtentfernung von ungefähr 200 sm zurückgelegt. Wiederholt gelang es uns mit der schnellen Yacht selbst bei geringen Windstärken eine Geschwindigkeit von 10 kn zu erreichen.
Wir waren alle etwas traurig, dass diese so schöne und harmonische Tour zu Ende ging, deren Verlauf noch wesentliche beeindruckender war, als man sich das vorstellen konnte. Am nächsten Morgen starteten wir dann um 5:46 Uhr mit einer kleinen de Havilland Richtung Bodö und dann nach Oslo. Hier hatten wir dann noch viel Zeit uns ausgiebig die schöne Hauptstadt Norwegens anzusehen.
Heidrun & Horst

