35 Jahre Skiclub Troisdorf-Sieglar – 1973–2008
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Segeltörn Türkische Ägäis

30.08. bis 06.09.2008 (1. Woche)

Foto Türkische Ägäis

Segeln ist innovativ

Ich sage es ja immer: Segeln ist innovativ, man lernt ununterbrochen Neues kennen. Zum Beispiel lernt man neue Menschen kennen, sogar näher. Aber der Reihe nach: Ich segele Ende August/Anfang September 2008 mal wieder mit Paul Banischewski auf der schicken Sun-Oddyssee-Yacht „Sentimental Journey“, diesmal von Marmaris vor der Insel Rhodos bis hinter Bodrum durch die türkische Ägäis. Außer Paul sind wir noch fünf Crew-Mitglieder, von denen ich nur eines kenne. Wir haben sogar eine Frau an Bord. Alte Segler werden sagen: „Oh, oh, da ist der Klabautermann nicht fern“. Aber weit gefehlt: Nadja erweist sich als äußerst patent, segeltüchtig und „mannschaftstauglich“. Es macht Spaß mit ihr und keinerlei Probleme.

Auf so einer Sun Odyssee ist allerdings nicht allzu viel Platz, Campermentalität ist da allemal gefragt, es kann sogar zu eng werden. Eine Zwei-Personen-Kabine mit rund 4 qm (inkl. Bett und Schrank) ist weniger als nach dem deutschen Tierschutzgesetz jedem Hund zusteht und wenn die ganze Yacht so geschätzte 20 qm „Wohnfläche“ hat, dann sind das für 6 Personen nicht sehr viel: also s.o.: man lernt neue Menschen sehr schnell näher kennen. Wenn es so eng ist, kann es im Übrigen nur einen geben, der das Sagen hat: den Skipper. Der Rest sollte ruhig mal die Schnüss halten, was mir bekanntlich äußerst schwer fällt. Aber das ist ein anderes Thema.

Man lernt – jedenfalls ich – auch ein neues Segelgebiet kennen: Die Ägäis ist um diese Jahreszeit ein traumhaft schönes Segelgebiet mit traumhaft türkisfarbenem Meer und traumhaftem Spätsommerwetter. Baden im offenen Meer ist ein Gedicht. Aber auch in den Buchten und sogar in den Häfen (außer Marmaris und Bodrum) kann man in klarem Meerwasser bei sehr angenehmen Temperaturen schwimmen. Ein kleines Problem hat das Gebiet: der Wind steht in dieser Gegend nicht immer so, wie man es als Segler gern hätte: viertel oder halber Wind von der Seite oder Rückenwind von Achtern. Wenn er aber stracks genau von vorne kommt, nützt nicht mal Kreuzen, dann hilft nur noch der Motor, und das ist natürlich nicht Seglers Traum. Aber: watt mutt, datt mutt. Übrigens hilft nicht jedem der Motor: Als wir vor Knidos, einem antiken Ort mit Amphitheater am Hafen, um die Ecke nach Norden abbiegen, liegen da doch glatt die gut erkennbaren Überreste eines Kümos (Küstenmotorschiff) in den Felsen, als hätten die Sirenen den Kapitän becirct. Wie auch immer das passiert ist: Segler, haltet Euch vor solchen Felsvorsprüngen fern und folgt den Anweisungen des Skippers, der uns immer schön auf Kurs gehalten hat.

Man lernt neue Küche kennen: an Bord sorgen wir tagsüber selbst für Verpflegung, vom Obstsalat (leider ohne Schuss) bis hin zur Sterne-Küche, die Jürgen uns bereitet. Als Küchenhilfe beim Schnibbeln bin ich auch bei einiger Krängung noch brauchbar und so wächst der Gedanke, wir sollten vielleicht mal zusammen eine Fernseh-Kochsendung machen: „Kochen bei Windstärke sieben“. Das wäre doch mal was Neues. Jedenfalls bekommt keiner an Bord Skorbut, kein Crew-Mitglied hat sich beschwert über die Verpflegung an Bord. Nicht einmal die Gefriertomaten und die „Gurkenzucchini“ können uns erschüttern. Darüber hinaus ist die externe Verpflegung in den abendlichen Hafenrestaurants besser als man in diesen abgelegenen Buchten erwarten kann. Auch die flüssige Ernährung ist gut und ausreichend, sowohl an Bord als Ableger, Anleger und Käptens-Schluck (Campari-Orange) etc. als auch bei den abendlichen Landgängen. Da sogar teilweise mehr als ausreichend.

Man lernt auch neue Hygienemaßnahmen kennen: In den kleinen Buchten können wir bei allen Restaurants am nächsten Morgen Morgentoilette mit allem Drum und Dran verrichten und uns richtig schön machen. Teilweise sind die Anlagen wirklich erstklassig. Allerdings nicht überall. Die außergewöhnlichste Dusche meines Lebens lerne ich ebenfalls bei dieser Tour kennen: Dass sie nach oben zum freien Himmel offen ist und der Duschkopf äußerst provisorisch an einem Draht hängt, sollte mich vielleicht stutzig machen. Denn was dann aus der Dusche raus kommt, ist kaltes salziges Meerwasser – oder so etwas ähnliches Undefinierbares. Immerhin, auch das übersteht man.

Schließlich lernt man auch neue Manöver kennen: Altherren-Segeln mit achterlichem Wind, am besten mit Butterfly, kennt jeder Segler. Wie langweilig. Hart, ja, ganz hart am Wind segeln, bis das Wasser an die Scheuerleiste kommt, ist für den Segellaien wie mich schon aufregender. Aber die Manöver für Eingefleischte, das ist etwas ganz Besonderes und – eben – Innovatives: Bisher war mir z.B. vom Eiskunstlaufen die „Bielmann-Pirouette“ bekannt. Unbekannt war mir dagegen bisher die sog. „Danny-Pirouette“, in Fachkreisen auch „eingesprungene Halsenwende“ genannt. Diese Manöver zeugt von einem erlesenen Geschmack des Rudergängers und sollte wegen seiner Überraschungseffekte nur vom Fachpersonal durchgeführt werden. Vielleicht noch spektakulärer ist „Charlys Kielbombenkreisel“, also der Versuch, die Kielbombe bei voller Fahrt auf der Fläche einer Badewanne um die eigene Achse (360 Grad) zu drehen, wobei das Schiff dabei möglichst wenig Fahrt verliert. Dieses Manöver gelingt Charly in Rekord-Manier: Im technischen Wert (A-Note) gibt die Crew eine 5,9, im künstlerischen Eindruck (B-Note) gibt es eine glatte 6,0. Die Segel wussten so schnell gar nicht, wo sie hinsollten, da waren wir schon wieder voll am Wind. Die Lockerheit und Eleganz, mit der dieses schwungvolle Manöver durchgeführt wird, zeigen eisernen Willen und hohes Können unseres Segelbruders Charly. Ganz nebenbei begeistert auch die Ruhe und Gelassenheit unseres Skippers, der locker bleibt und uns allen endlich mal klar macht, dass man so eine schöne 42-Fuß-Yacht nicht umkippen kann.

Also alles in allem: Ein weiterer, sehr gelungener Törn mit Paul – und so können wir heute schon anfangen zu träumen, wann und wohin wir zur nächsten Tour mit Paul aufbrechen. Paul, zunächst aber vielen Dank für dieses Mal: es hat wieder viel Freude gemacht mit Dir zu segeln.

Hartmut Forndran

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